Priester gegen Nazi-Herrschaft - Dr. Metzger, Pfarrer Meckler und andere mutige Priester unserer Heimat

Die Fastenzeit 2018 widmete das Bildungswerk Priestern, die der Nazi-Herrschaft widerstanden:

Vom 2.3. bis zum 24.3. fand im Herz-Jesu-Heim die Ausstellung über Priester statt, die dem Nazi-Regime auf vielfältige Weise widerstanden. Aus Meßkirch war dies Pfarrer Otto Meckler und seine Vikare. Unter den Priestern aus dem Hegau wurden Pfarrer August Ruf aus Singen und Eugen Weiler aus Wiechs - zwei in Yad Vashem geehrte - besonders hervor- gehoben. Eine besondere Verehrung erfährt Dr. Max Josef Metzger, der in Schopfheim geboren und in Südbaden aufgewachsen ist. Er wirkte in Graz, Meitingen und Berlin, wo er von den Nazis zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Sein Seligsprechungsprozeß läuft seit 2006.

Ablauf:
2.3. 19.30 Referat von Helmut Weißhaupt über die Meßkircher Priester im Konflikt mit dem Nationalsozialismus: Stadtpfarrer Otto Meckler und seine 5 Vikare - eine ausführliche Informationsseite wird Schritt für Schritt unter "Meßkirch Geschichte" aufgebaut: http://www.bildungswerk-messkirch.de/messkirch-geschichte.html
10.3. 19.30 Violin-Konzert mit Mechthild Placke und Johannes Grütter (Bodenseesymphonieorchester Konstanz) im Haus der Musik. - Text und Bilder unter "Musik Events - Akademie Konzerte und auf der Internetseite der Akademie: http://www.akademie-bodensee.org/index.php/konzerte.html
14.3 19.00 Referat von Dr. Christian Heß (Regens des Erbischöfl. Priesterseminars Freiburg) über Dr. Max Metzger und seinen Friedenskreis
23.3. 19.30 Referat von Frau Sibylle Probst-Lunitz (Radolfzell), Verfolgte Pfarrer aus dem Hegau (darunter die in Yad Vashem geehrten Pfarrer August Ruf und Eugen Weiler) - das Referat ist im Anhang zu finden.
24.3. 20.00 Uhr Abschlussdiskussion mit Zeitzeugen unter Leitung von Dr. Werner Fischer.

Dr. Max Josef Metzger - international für Frieden und Ökumene

An herausragender Stelle unter den Märtyrer-Priestern des III. Reichs ist Dr. Max Josef Metzger aus Schopfheim zu nennen. Geboren am 3.2.1887 in Schopfheim, hingerichtet am 17.4.1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Dr. Metzger war ein katholischer Priester, der wegen seiner pazifistischen Überzeugung vom Volksgerichtshof unter Vorsitz seines Präsidenten Roland Freisler am 14.Oktober 1943 zum Tode verurteilt und nach sechs Monaten hingerichtet wurde. Dr. Christian Heß wird zu dieser hervorragenden Persönlichkeit am 14.3. einen Vortrag halten.
(untenstehende Schautafeln von Pax Christi, Freiburg)
In Meitingen befindet sich das Christkönig-Institut in dem Dr. Metzger jahrelang gewirkt hat: http://www.max-josef-metzger-meitingen.de/
Die Erzdiözese Freiburg gibt weitere Informationen: http://www.erzbistum-freiburg.de/html/max_josef_metzger.html
weitere Informationen und Kontakte finden Sie bei Pax Christi Freiburg: http://freiburg.paxchristi.de/page/view/6359273835593728/Max%20Josef%20Metzger
Eine kurze Information zu Dr. Max Josef Metzger auf der Internetseite seiner Berliner Pfarrei - Katholische Pfarrei — St. Joseph in der Müllerstraße in Berlin-Wedding: http://joseph-aloysius.de/max-joseph-metzger/ Und der Hinweis auf eine Dauerausstellung in der Krypta dieser Kirche: http://joseph-aloysius.de/gemeinde/bildergalerie-krypta/st-joseph-krypta/
Der engagierte Esperanto-Anhänger, Dr. Metzger hat seinen Platz in Berlin – doch ist dieser Dr.-Metzger-Platz in einem nicht endenden Umbau – s. Artikel von Roland Schnell: https://esperanto.berlin/de/metzger-feb-2018/
 

Meßkircher Priester gegen Hitler

Unter Pfarrer Meckler, der ein entschiedener Gegner der Nazis war, entwickelten sich auch seine Vikare zu Regimegegnern. - ausführliche Informationen finden Sie unter "Meßkirch Geschichte": http://www.bildungswerk-messkirch.de/messkirch-geschichte.html

 

 

Meckler, Otto
* 19.09.1892 in Rohrbach am Gießhübel / Eppingen
† 17.08.1944 in Konstanz
in Meßkirch:
06.12.1927 – 08.06.1929 als Kaplanei- und Pfarrverweser
09.06.1929 – 17.08.1944 als Stadtpfarrer
 

 

Verfolgte Priester aus dem Hegau - in Yad Vashem geehrt

Herausragend sind zwei Priester, die einer Jüdin zur Flucht in die Schweiz geholfen haben und deshalb seit 2005/2006 in Yad Vashem verewigt sind: Eugen Weiler und August Ruf.

Ruf, August, Geistlicher, Verfolgter des NS-Regimes
geb. 05.11.1869 Ettenheim
1880-1889  Progymnasium und Gymnasium in Ettenheim und Freiburg
1889-1893 Studium der Theologie in Freiburg
1893         Priesterweihe
1893-1905 Vikar und Kaplaneiverweser in Radolfzell
1905-1941 Stadtpfarrer in Singen/Hohentwiel an der Kirche St. Peter und Paul
1921         Ernennung zum Geistlichen Rat
1930         Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Singen
1941         Ernennung zum Päpstlichen Geheimkämmerer/Monsignore
1941         Schulverbot, im selben Jahr Pensionierung
1943         Verhaftung wegen Beihilfe zur unerlaubten Grenzüberschreitung
Dezember 1943-März 1944 Inhaftierung im Gefängnis Rottenburg/Neckar, vorzeitige Entlassung aus gesundheitlichen Gründen
08.04.1944 gestorben in Freiburg, beigesetzt in Singen
Ehrungen: Hauptgeschäftsstraße in Singen nach ihm benannt
                Aberkennung der Ehrenbürgerwürde durch NS-Regime  wieder rückgängig gemacht
2006         Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem
Kommentar
1936 erhielt Pfarrer Ruf wegen „hetzerischer Äußerungen gegen den nationalsozialistischen Staat “ – so der übliche Jargon – eine Verwarnung. Er bezog gegen die Auflösung der katholischen Jugendverbände Stellung. 1941 erhielt er vom Badischen Unterrichtsministerium Schulverbot, seine Schreibmaschine und sein Vervielfältigungsgerät  wurden beschlagnahmt und weitere Maßnahmen angedroht. Ein Grund dafür war ein von Ruf verfasster Pfarrbrief, den er vervielfältigt hatte und dessen Inhalt in den Augen der Nationalsozialsten  wieder „hetzerisch“ war. Im Oktober 1943 verurteilte das Amtsgericht Singen August Ruf zu sechs Monaten Gefängnis, weil er einer Jüdin zur Flucht in die Schweiz verholfen hatte. Im Dezember desselben Jahres erkannte der Singener Gemeinderat die 1930 dem Pfarrer verliehene Ehrenbürgerwürde wieder ab.
Zur Biographie von Pfarrer Ruf siehe die Stolpersteine:http://www.stolpersteine-singen.de/biografien/
 
 
Weiler, Eugen
* 27.05.1900 in Lichtental (Baden-Baden)
† 04.08.1992 in Wiechs am Randen
in Meßkirch:
20.10.1936 – 22.09.1937
als Kaplaneiverweser
Lebensdaten
19.03.1926      Ordination
anschließend Vikar in Tiengen, Singen, Freiburg-Haslach, Mannheim-Friedrichsfeld und Rheinfelden
20.10.1936      Kaplaneiverweser in Meßkirch
23.09.1937      Pfarrverweser und Pfarrer in Wiechs am Randen
01.06.1942      Verhaftung und Überführung ins KZ Dachau. Er half einer Jüdin, in die Schweiz zu flüchten.
1971    Herausgeber des Buchs „Die Geistlichen in Dachau sowie in anderen Konzentrationslagern und Gefängnissen“
13.08.1973      Bundesverdienstkreuz
15.12.1988      Ruhestand
24.07.2006      posthum Verleihung des Ehrentitels „Gerechter unter den Völkern“ der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem
Konflikt mit dem NS-Regime in Meßkirch
Eugen Weiler bezeichnet am 28.1.1937 einen Schüler der Realschule als „frechen Kerl“ und züchtigt diesen mit drei Ohrfeigen, weil der Schüler ihn mit „Heil Hitler“ grüßte. Es erfolgt eine Meldung an das Ministerium.
In der Volksschule werden Anfang 1937 die im Religionsunterricht nicht gestatteten „Katechismuswahrheiten“ (1936 erschienene katholische Schrift zur Widerlegung der Weltanschauung des Nationalsozialismus) eingesammelt. Weiler spricht daraufhin in einer Realschulklasse über den verantwortlichen Oberlehrer Mauch als „öffentlichen Sünder“.
Vom Schulamt wird im März 1937 beanstandet, dass Eugen Weiler zu Beginn des Unterrichts nicht den „Deutschen Gruß“ erweist.
Weiler wird vorgeworfen, dass er im Unterricht vom 16.2.1937 die Ehefrau des Ortgruppenleiters Ramsperger verleumdet habe. Beim Thema der heiligen Ölung zielt Weiler auf den Vernunftgebrauch ab und sagt, dass „Verrückte die letzte Ölung nicht bekommen würden“, da sie nicht wüssten, was sie tun. Dabei erwähnt er, dass eine Frau Ramsperger „auf die Reichenau gekommen sei.“
Eugen Weiler muss öffentlich Widerruf leisten und 50 RM Strafe bezahlen. Er wird streng zur Rechenschaft gezogen und bekommt Schulverbot angedroht. Außerdem soll er umgehend versetzt werden.
Konflikt mit dem NS-Regime nach seiner Zeit in Meßkirch
Eugen Weiler ist bereits vor seiner Zeit in Meßkirch unter Beobachtung der Nationalsozialisten. Schon in Mannheim-Friedrichsfeld spricht er in seinen Predigten über die Hirtenbriefe des Bischofs von Münster, Clemens von Galen. Die Versetzung nach Rheinfelden schützt ihn vor dem Zugriff der Mannheimer NSDAP. In Rheinfelden wissen die Verantwortlichen bereits bei seiner Ankunft von seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus.
Als Pfarrer in Wiechs grüßt er weiterhin nicht mit dem „Deutschen Gruß“, sondern lediglich mit einer Hutbewegung. Daraufhin wird ihm Schulverbot erteilt.
Am 1.6.1942 wird Eugen Weiler verhaftet, weil er zuvor einer Jüdin zur Flucht in die Schweiz verhalf. Er wird zu Gefängnis und Schutzhaft verurteilt. Anschließend, am 5.10.42, erfolgt seine Einlieferung in das KZ Dachau. Erst am 11.4.1945 wird er von dort entlassen.
Zur Biographie von Pfarrer Weiler siehe die Stolpersteine:http://www.stolpersteine-singen.de/biografien/
 
Schwall, Johann
geb. 14.09.1901 Karlsruhe/Daxlanden
Besuch des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums Raststatt
1921 Abitur
1921-25 Studium der Theologie in Freiburg i. Br.
1926 Ordination
ab 1926 an mehreren Orten als Vikar tätig
1931-33 Haltung und seines schwierigen Charakters
1933-35 zwangsversetzt an mehrere Orte
1935 Pfarrverweser in Biesendorf (heute Ortsteil von Engen, Kr. Konstanz)
1938-1945 Pfarrer in Raithaslach
1941 Verhaftung durch Gestapo wegen Beschuldigung und Beleidigung der Gemeinde
Dez. 1941-April 1945 KZ Dachau
ab 1947 wieder seelsorgerisch tätig
1949-1958 Pfarrer in Windischbuch (heute Stadtteil von Boxberg, Main-Tauber -Kreis)
1958-1967 Pfarrer in Gremmelsbach/Kinizigtal,
1967 Ruhestand in Wolfach
gest. 1978 in Wolfach
Kommentar
War Johann Schwall früher ein Anhänger der NSDAP gewesen, so änderte sich seine politische Einstellung im Laufe des Jahres 1941grundlegend. Das Erzbischöfliche Ordinariat Konstanz warf ihm vor, er wende sich „(….) in seiner Pfarrei ständig in aller Öffentlichkeit gegen die NS-Sache (…), er habe die HJ und BDM-Verbände auf offener Straße angehalten und getadelt (…) in einer Weise, die das normale Maß übersteigt.“ Anfang Oktober 1941 hielt er eine Gedenkmesse für den ersten im Krieg gefallenen Soldaten aus Raithaslach. In seiner Predigt schimpfte er unter anderem über das „gottlose Raithaslach und den Hegau“. Zwei Tage später erfolgte seine Verhaftung durch die Gestapo, nach einigen Wochen im Gefängnis in Konstanz wurde er am 1. Dezember 1941 in das KZ Dachau eingeliefert.
 
 
Riesterer, Albert, Geistlicher, Verfolgter des NS-Regimes.
geb. 21.03.1898 in Staufen i. Br.
1917-1919  eingezogen zum Kriegsdienst
1920          Abitur am Berthold-Gymnasium Freiburg
1920-1925  Studium der Theologie in Freiburg
05.04.1925 Priesterweihe
1925-1934  Vikar in Eberbach/Neckar, Freiburg-St.Georgen, Stockach
1934          Pfarrverweser in Mühlhausen (heute Mühlhausen-Ehingen, Landkreis Konstanz)
1936-1967  Pfarrer in Mühlhausen
1941-45     im Konzentrationslager Dachau
1967-1984 Ruhestand in Dingelsdorf (bei Konstanz)
1981         Bestellung zum Subsidiar der Pfarrei Dingelsdorf
1982         Ernennung zum Geistlichen Rat ad honorem
1984         Übersiedlung ins Altenheim St. Franziskus in Überlingen a. B.    
20.02.1996 gestorben in Überlingen, beigesetzt am 23.02. in Konstanz-Dingelsdorf
Ehrungen: 1959 Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Mühlhausen, 1978 Bundesverdienstkreuz
Kommentar
Bereits 1933 kam es in Stockach zu Spannungen  zwischen Vikar Albert Riesterer und dem Ortsgruppenleiter, der HJ und der Kreisleitung, da er angeblich Veranstaltungen der kirchlichen Jugendverbände durchgeführt habe, ohne diese dem Ortsgruppenleiter vorher gemeldet zu haben. Fortan stand er unter ständiger Beobachtung, so auch an seinem neuen Dienstort Mühlhausen. Pfarrer Riesterer forderte die NS-Verantwortliche heraus, wie er in seine Erinnerungen rückblickend selbst zugab. „Als Vikar war ich gegen die Nazis oft frech, und dies schon von Anfang an, und auch als Pfarrer von Mühlhausen trieb ich es –rückschauend  - zu bunt …“.Am 1. Juli 1941 verhaftete ihn die Gestapo bei einem Jugendlager auf dem Schenkenberg „… weil der die staatliche Jugenderziehung für eine Glaubenssache hält und mit allen Mitteln und mit allen Kräften versuchte, diese zu sabotieren.“  Nach einer dreimonatigen Schutzhaft in Konstanz  wurde Riesterer zwar zunächst entlassen, doch bald erfolgte seine erneute Verhaftung und schließlich die Einlieferung in das KZ Dachau aufgrund seines „äußerst staatsabträglichen Verhaltens“ so die offizielle Begründung.
 
 
Dr. Helmut Bier - evangelischer Pfarrer
Geb. 09.07.1893 Gröbichen bei Pforzheim, Besuch des Progymnasiums Korntal
1911 Besuch des Gymnasiums Esslingen
1915 außerordentliche Reifeprüfung
1914-19 Heeresdienst bei der Marine
1919-1922 Studium der ev. Theologie an der Ruprecht-Karls-Universität    Heidelberg
1920 Heirat mit Sophie Dachtler, Geburt von Sohn Helmut Theodor 1921
1922 Pfarrkandidat in Niefern/ Dekanat Pforzheim-Land
1924-1929 Vikar in Königsbach/Dekanat Durlach
1929 Promotion
1932- 1935 Pfarrverweser in Maulburg bei Lörrach
1935-1942  Pfarrer an der Lutherkirche in Singen/Htw.
1938  Auseinandersetzungen mit dem örtlichen NS-Finanz-bevollmächtigten für die ev. Kirche, Überwachung durch Gestapo
1939  Entgeht nur knapp der Verhaftung, da er seine Kirche nicht den Deutschen Christen zur Verfügung stellen wollte, Unterrichtsverbot und andere Repressalien
1942-1958  Pfarrer in Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis), auch hier Probleme mit der Gestapo
1958 Ruhestand
gest. 22.06.1977 in Möckmühl (Kreis Heilbronn)
Kommentar
Beim Antritt der Pfarrstelle in Singen war Helmut Bier noch aus voller Überzeugung ein Unterstützer des NS-Regimes. Erst als die Eigenständigkeit der evangelischen  Kirche angegriffen wurde, schloss er sich der Bekennenden Kirche an. 1938 protestierte Pfarrer Bier zusammen mit dem Kirchengemeinderat gegen die Einrichtung einer Finanzabteilung beim evangelischen Oberkirchenrat in Karlsruhe. Daraufhin bekam die Gemeinde einen Bevollmächtigten der Finanzabteilung vorgesetzt, der das Vermögen der Kirchengemeinde einzog und dem Pfarrer ständig mit der Polizei drohte. Als eine Gruppe der Deutschen Christen  eine Versammlung in der Lutherkirche abhalten wollte, verwehrte Helmut Bier ihnen den Zutritt und entging durch diese Aktion  nur knapp seiner Verhaftung, aber die Repressalien des NS-Regimes verstärkten sich: ständige Überwachung durch die Gestapo, Einzug seines Passes, Unterrichtsverbot, Verbot den Gemeindebrief herauszugeben und als Seelsorger im Reservelazarett von Singen tätig zu sein.

 

Der Priesterblock im KZ Dachau

 

 

 

 

Am 23.3.18 hielt Sibille Probst-Lunitz einen Vortrag zu Priestern aus dem Hegau, die dem Nazi-Regime widerstanden. Unter diesen Priestern sind zwei in Yad Vashem geehrte. Darunter einer, Egon Weiler, der unter Pfarrer Meckler in Meßkirch Vikar war. Pfarrer Weiler dokumentierte während seiner KZ-Haft die Namen aller Insassen des "Priesterblocks" in Dachau. - dazu unser Artikel (Quelle: teilw. Wikipedia)

 

Priesterblock im KZ-Dachau

Pfarrerblock, auch Priesterblock, wurden in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern jene Baracken (euphemistisch: Wohnblocks) genannt, in denen Geistliche verschiedener Konfessionen und verschiedener, größtenteils aber polnischer, Nationalität inhaftiert waren. Im Lager Dachau fasste das NS-Regime gegen Ende 1940 sämtliche Geistliche aus allen Lagern in mehreren Baracken zusammen.
Bis 1940
Anfangs wurden nur vereinzelt reichsdeutsche Priester ins Lager eingeliefert und auch nur für kurze Zeit. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 überstellte die SS 14 österreichische Priester ins Lager. Beim Pfarrerblock handelte es sich wie bei allen Häftlingsblöcken im Lager Dachau um Holzbaracken mit der Grundfläche 100×10 Meter. Sie entsprachen dem damaligen Stand von Reichskasernen und hatten vier Räume, genannt Stuben. Diese wiederum waren in je einen Schlaf- und einen Tagesraum aufgeteilt. Jeweils für zwei Stuben standen ein Wasch- und ein Toilettenraum zur Verfügung. Jede Stube war für 52 Häftlinge eingerichtet. Der Pfarrerblock bestand später aus drei zusammenliegenden Wohnblöcken: Block 26, 28 und 30. Den anderen Häftlingen war der Zutritt zu dem Pfarrerbereich untersagt.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges gingen die Nationalsozialisten vor allem im besetzten katholischen Polen gegen Geistliche vor. Polnische Geistliche hatten großen Einfluss in ihrer Nation. Sie wurden aus ihrer Heimat nun fast gänzlich entfernt.[1]

Bis Ende 1940 traf es katholische Priester in den Konzentrationslagern ziemlich schlecht. So beschreibt der Schriftsteller Kupfer-Koberwitz: „Früher wurden Pfarrer und Mönche in die Strafkompanie gesteckt, mußten die schwersten und schmutzigsten Arbeiten tun, wurden von der SS und von vielen Kameraden verhöhnt und geschunden. Ihr Leben war damals meist so schwer und von so kurzer Dauer wie das der Juden.“ Hinzu kamen immer wieder besondere Ausschreitungen gegen die Pfaffen. So wurde „beispielsweise am Heiligen Abend 1938 unter dem auf dem Appellplatz aufgestellten ‚Julbaum‘ der oberösterreichische Prälat Prof. DDr. Franz Ohnmacht (angeblich wegen politischer Gespräche) ausgepeitscht“. Von 1940 wird berichtet, dass am Karfreitag „sechzig“ Priester „gekreuzigt“ wurden, indem sie eine Stunde lang „bäumeln“ durften. Pries­tern wurde z.B. grund­los mit der Strafe der 25 Dop­pel­schläge belegt und in Dun­kel­haft ohne Nah­rung gezwun­gen. Es wur­den in blas­phe­mi­scher Absicht Dor­nen­krö­nung und Gei­ße­lung Jesu an Pries­tern nach­ge­stellt. Es kam vor, dass blu­tig geschla­gene Pries­ter gezwun­gen wur­den „oh Haupt voll Blut und Wun­den…“ unter dem Spott der SS-Männer vor zu sin­gen. 

Der Vatikan und die reichsdeutschen katholischen Bischöfe intervenierten bald wegen der Haftbedingungen der katholischen Geistlichen. Die Nationalsozialisten machten daraufhin Zugeständnisse.
Zentrale Zusammenlegung aus allen Lagern
So begann die SS gegen Ende 1940 damit, alle Geistlichen, unabhängig von der Konfession, aus den Konzentrationslagern ins Lager Dachau zu überstellen. Die Geistlichen wurden in den drei nebeneinander liegenden Wohnbaracken Block 26, 28 und 30 untergebracht. Während die Häftlingsgruppe der katholischen Priester hinsichtlich ihrer Haftbedingungen Unterstützung ihrer Amtskirche erhielt,[2] fehlte den inhaftierten evangelischen Geistlichen, die vor allem der Bekennenden Kirche angehörten, entsprechende Unterstützung. Auf Seiten der Evangelischen Kirche in Deutschland bestand mit der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) weder eine einheitliche Kirchenleitung noch eine gemeinsame Haltung sämtlicher Landeskirchen und Gliederungen gegenüber dem Nationalsozialismus.[3]
Besondere Schikanierung der polnischen Geistlichen
Am 15. September 1941 wurden die deutschen und österreichischen Geistlichen auf Block 26 untergebracht, Block 26 war nun allein abgezäunt. Die SS verfügte, die Fenster der Kapelle weiß zu streichen, damit Häftlinge keinen Einblick mehr hätten und Missgunst verringert würde. Die restlichen Geistlichen fasste man in den beiden bald völlig überfüllten Blöcken 28 und 30 zusammen. Diese zwei Pfarrerblöcke teilte die SS durch Abbau der Zäune und Wegfall der Privilegien wieder dem Gesamtlager zu. Wie andere Häftlinge durften diese vielen Geistlichen nun auch nicht in die Kapelle in Block 26.
Aufgrund der vorherigen Privilegien sahen sich die meisten der polnischen katholischen Geistlichen nun der Missgunst anderer Häftlinge ausgesetzt und bekamen verstärkt Erniedrigungen zu spüren. Sie standen unter der Aufsicht des radikalen Lagerkapos Hentschel, wurden aber noch in den besseren Arbeitskommandos eingesetzt. Die Sterblichkeitsrate der polnischen Geistlichen stieg, viele wurden auch als Invaliden nach Hartheim deportiert und dort getötet. Da sie nicht in normalen Kommandos arbeiteten, wurden sie als arbeitsscheu betitelt, als unnütze Esser betrachtet, und verstärkt für medizinische Versuchsreihen ausgewählt. Zu Ostern 1942 mussten sie in der Karwoche aufgrund von Kleinigkeiten wegen Schikane durch die SS einige Tage hindurch strafexerzieren, auch bei Schneeregen. Der Einkauf in der Kantine wurde ihnen verboten. Bei dem polnischen Geistlichen Stanisław Wierzbowski (* 1897) wurden in diesen Tagen im Wohnblock 700 $ gefunden, er wurde mit 25 Schlägen und 42 Tagen Arrest bestraft, Wierzbowski starb an den Folgen der Misshandlung.Im April wurde die Diskriminierung der polnischen und litauischen Geistlichen gegenüber den restlichen Geistlichen verschärft. Andere Geistliche durften ab nun wieder die Kapelle aufsuchen – im Block 26 bei den deutschen und österreichischen Geistlichen. Die große Anzahl der polnischen hingegen durfte dies nicht. Sie wurden stattdessen den normalen Arbeitskommandos zugeteilt. Insgesamt verstarb fast die Hälfte der inhaftierten polnischen Geistlichen.
Den pol­ni­schen Pries­ter wur­den ab Herbst 1941 der Besuch der Kapelle nicht mehr gestat­tet. Unter Lebens­ge­fahr wurde ihnen die Kom­mu­nion her­aus­ge­bracht. Sie fei­er­ten heim­lich Messe bei der Arbeit auf der Plan­tage und auf ihren Stu­ben. Diese Häft­lings­gruppe war in der Hier­ar­chie des Lagers auf der unters­ten Stufe, zusam­men mit den jüdi­schen Häft­lin­gen. Sie wur­den beson­ders gequält und zur schwers­ten Arbeit gezwun­gen. Sie star­ben in gro­ßer Menge. Des­halb gin­gen aus den Rei­hen der pol­ni­schen Geist­li­chen bis­her 45 Selige her­vor. (der selige Sta­nis­law Kostka Sta­ro­wiey­ski, Laie und Fami­li­en­va­ter)

Die Liste der Priester im KZ-Dachau finden Sie hier: http://www.selige-kzdachau.de/geistliche-im-kz-dachau-namen-d weitere Informationen: Bildungswerk Meßkirch, Dr. Waldemar Gorzawski, Tel.: 07575-2872, gorzawski@bildungswerk-messkirch.de

Gedanken zur Gedenkfahrt der Diözese Linz - "Du bist kein Mensch hier": https://www.dioezese-linz.at/dl/NnqmJLJkLKlJqx4KJK/2018_03_13_Gedenkfahrt_nach_Dachau.pdf

Diavortrag über den Pilgerweg - Einsiedeln

Referent:       Armin Schlachter                          Ort:             Herz-Jesu-Heim, Kleiner Saal
Dauer:            1 x 2 UE                                         Gebühr:     Spendenbasis
Teilnehmer:  7 mindestens                                Zeit:           19:30 – 21:00 Uhr
Traditionell zu Jahresbeginn bietet Armin Schlachter aus Walbertsweiler einen Vortrag über seine Pilgerwege.
Zahlreiche Eindrücke und Erlebnisse werden in dem Vortrag erzählt und Informationen zum Weg, zur Ausrüstung und zur Planung gegeben. Für die  Bilder-Show können Sie sich zurücklehnen und die landschaftlichen Eindrücke genießen. Wie sah unsere Pilgerwanderung 2017 aus? - siehe Studienreisen und Ausflüge (Pilgern auf dem Jakobsweg). - Lust auf eine Pilgertour auf dem Jakobsweg? Auch 2018 gibt es ein Frühjahrangebot: 21.-24.4.18: 4-Tages-Tour von Wald bis Konstanz und 24.4. - 28.4.18 von Konstanz nach Einsiedeln. 
Kontakt: Dr. Waldemar Gorzawski, Telefon: 07575/2872 oder E-Mail: gorzawski@bildungswerk-messkirch.de
Frühjahr 2018       Kurs-Nr.:  REL-18101        Beginn:    Donnerstag, 01.02.2018

 

Seniorenkreis - Jahresprogramm 2018

Mittwoch, 10.01.18 - Krippenfahrt unter Leitung von Renate Braun (Tel.: 5629)

Mittwoch, 07.02.18 - 14.00 Uhr Fasnetnachmittag - Musik und närrische Unterhaltung mit eigenen Beiträgen zur Fasnet

Mittwoch, 07.03.18 - 14.00 Uhr Frauenfiguren in der Bibel - Referentin: Sybille Konstanzer

Mittwoch, 11.04.18 - 14.00 Uhr Gottesdienst

                                15.15 Uhr Haustürgeschäfte, Enkeltricks und andere Betrugsversuche - Referent: Alfred Härle, Polizeidirektion Konstanz, Prävention Landkreis Sigmaringen

Mittwoch, 09.05.18 - 13.00 Uhr Maiandacht auf dem Schenkenberg bei Emmingen/Liptingen anschließend Einkehr im Schenkenberger Hof

Mittwoch, 13.06.18 - 14.00 Uhr Gottesdienst

                                15.15 Uhr Bienen im Naturhaushalt - Referent: Walter Loes

Freitag,  07.07.18 - Jahresausflug zum Beerenhof nach Tettnang, anschließend Einkehr

Mittwoch 10.10.18 - 14.00 Uhr Gottesdienst

                              15.15 Lichtbildervortrag "Geschichten, Sagen und Kurioses aus dem oberen Donautal" - Referent Willi Rößler

Mittwoch, 07.11.18 - 14.00 Uhr Gottesdienst

                               15.15 Uhr Vortrag "Sprichwörter und deren Bedeutung" - Referent: Sepp Schelshorn, Wilhelmsdorf

Mittwoch, 05.12.18 - 14.00 Uhr Adventskaffee im Herz-Jesu-Heim

Hinweise: Veranstaltungsort der Seniorennachmittage ist das Herz-Jesu-Heim, Schlossstr. 22 (Hintereingang für Rollatoren und Rollstühle geeignet). Die Halbtagsfahrten beginnen jeweils am Sassenage-Garten. Die Gottesdienste beginnen jeweils um 14.00 Uhr.

Leitung des Seniorenkreises und Ansprechpartner und Anmeldung (Halbtagesfahrten): Gudrun Mauch, Humboldstr. 18, 88605 Messkirch. Tel: 07575-93673

 

BRUDER KLAUS - NIKOLAUS VON FLÜE

Referent:       SYBILLE KONSTANZER                          Ort:             Herz.-Jesu-Heim, Kleiner Saal
Dauer:            2 UE                                         Gebühr:     Spendenbasis
Teilnehmer:  7 mindestens                                Zeit:           19:30 – 21:00 Uhr
Nikolaus von Flüe – eine Annäherung zum 600.Gedenktag
Einsiedler, Mystiker, Friedensstifter
Ein Bildervortrag über das Leben und die Visionen von Bruder Klaus, dem Friedensheiligen der Schweiz. Seine Suche nach Gott und dem eigenen Weg kann uns auch nach 600 Jahren noch Inspiration und Motivation für unser eigenes Glaubensleben sein.  Herzliche Einladung dazu!
Termin: 25. September 2017 (Gedenktag des Heiligen Bruder Klaus)
Referentin: Sybille Konstanzer, Gemeindereferentin

 

Andreas Knapp: Spirituelles Tagebuch - Hinter den Dünen der Brunnen

Referent: Andreas Knapp             Ort: Herz-Jesu-Heim, kl. Saal
Dauer: 1 x 2 UE                           Gebühr: Spendenbasis
Teilnehmer: 7 mindestens            Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr
Andreas Knapp liest aus seinem spirituellen Tagebuch 40 Tage lang lebte Andreas Knapp in einer Einsiedelei mitten in der Sahara, fern jeder menschlichen Zivilisation. In seinem Tagebuch erzählt er vom Zauber der Landschaft und von der Schönheit des Lichtes. Das Geheimnis von Leben und Tod, dem man in der Wüste auf die Spur kommen kann, ist ständig präsent. In seiner Lesung nimmt er Sie mit auf eine spirituelle Reise zu den Quellen des Lebens.
Kontakt: Dr. Waldemar Gorzawski, Telefon: 07575/2872 oder E-Mail: gorzawski@bildungswerk-messkirch.de
Frühjahr 2017    Kurs-Nr.: REL-17105    Beginn: Montag, 13.03.2017
 

EIN PILGERTAG MIT DEM HEILIGEN MARTIN

Leitung:         Anita Merz/Sybille Konstanzer   Ort:             Beuron - Martinskirche
Dauer:            ca. 7 Std.                                        Gebühr:   
Teilnehmer:  7 mindestens                                Zeit:           08:30 – ca. 16:00 Uhr
2016 jährt sich zum 1.700. Mal der  Geburtstag des Heiligen Martin von Tours.
Aus diesem Anlass schnüren wir die Wanderstiefel und machen uns sprichwörtliche auf den Weg von der Martinskirche in Beuron, zur Martinskirche in Meßkirch.
Unterwegs beleuchten wir an verschiedenen Stationen, sein Leben, seinen Glauben und sein Handeln. Denn das vielschichtige Leben des Heiligen Martin kann uns auch heute noch Vorbild und Impulsgeber sein.
Sie sind dazu herzlich zu diesem Pilgertag eingeladen.
Wir treffen uns in Beuron – Martinskirche– mit einem Morgenlob in der Gnadenkapelle und kurzer Führung durch die Martinskirche mit anschließendem Pilgersegen. Wanderung auf dem Jakobsweg von Beuron nach Meßkirch (Gesamtstecke ca. 18 km).
Einstieg auch in Buchheim, Altheim oder Heudorf möglich.Abschluss gegen 16:00 Uhr in der St. Martinskirche in Meßkirch. 
KONTAKT / INFO / Anmeldung: Sybille Konstanzer, Gemeindereferentin, Telefon: 07575/92344814 oder E-Mail: gemeindereferentin@kath.kirche-messkirch.de 
Herbst 2016          Kurs-Nr.:  REL-16301        Start:      Samstag, 01.10.2016
 

Priesterin in der Katholischen Kirche?

Referent:       Jacqueline Straub                        Ort:             Herz-Jesu-Heim, kl. Saal
Dauer:            1 x 2 UE                                         Gebühr:    3,00 € Abendkasse
Teilnehmer:  7 mindestens                                Zeit:           19:30 – 21:00 Uhr
„Jung, katholisch, weiblich. Weshalb ich Priesterin werden will“ – diese Frage wirft Jacqueline Straub auf, Theologin und mit unserer Heimat eng verbunden. Nein, sie möchte nicht die Konfession wechseln, sie möchte ihrer Kirche treu bleiben und fühlt sich innerhalb unserer Katholischen Kirche zum Priestertum berufen. Was steht dem entgegen? Weshalb stehen Frauen in unserer Kirche stets in der zweiten Reihe? Gibt es hierzu theologische Begründungen oder ist dies nur Ausdruck des jahrhundertelang gewachsenen Patriarchats? 
Kontakt: Dr. Waldemar Gorzawski, Telefon: 07575/2872 oder E-Mail: gorzawski@bildungswerk-messkirch.de 
Jacqueline Straub in den Medien:
  1. Talk Mit Thees: Karoline Eichhorn, Michael Teuber, Jacqueline Straub (28.8.2016): http://www.ardmediathek.de/radio/SWR3-Talk-mit-Thees-SWR3-de/Talk-Mit-Thees-Karoline-Eichhorn-Michae/SWR3/Audio-Podcast?documentId=37387780
  2. Vortrag bei der KAD, Kempten 28.7.2016: http://jacqueline-straub.de/vortrag-bei-der-kad-eventagentur-in-kempten-0716/
  3. J. Straub im SFR – Juli 2016: https://www.youtube.com/watch?v=_zbB3FvSgeE http://www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/junge-theologin-aus-dem-aargau-will-katholische-kirche-umkrempeln
  4. Beteiligung am Panel „Frauen in der Kirche“ in der Frauensynode 28.8.2016. http://frauensynode.ch/de/programm/panels/176-panel-2
  5. Auftritt bei Markus Lanz, 5.5.2016: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/e6945324-1cb6-3c02-8b90-3874ee0f4b2d/341c9d47-d1de-42a4-aa34-8ab75b98e113?generateCanonicalUrl=true
  6. Diskussion mit Vatikan-Experte Pater Eberhard, Gemmingen im Stern TV am 13. 4.2016: http://www.stern.de/tv/fortschritt-in-der-katholischen-kirche–theologiestudentin-will-erste-priesterin-werden-6790938.html
Herbst 2016          Kurs-Nr.:  REL-16201        Beginn:    Donnerstag, 06.10.2016
 

Aramäer - unsere christlichen Brüder

Pfarrer Issa Gharib und der Koptische Bischof für Deutschland, Anba Damian

In der aktuellen Syrien-Krise ist Solidarität mit den christlichen Gemeinden im Dreiländereck Türkei-Irak-Syrien gefragt. Eine Gruppe sind die Aramäer - in den letzten 100 Jahren stark dezimiert, aber dank einer aktiven Diaspora auch in Deutschland unter den Flüchtlingen präsent.

Iskender Tacara konnte für einen  Vortrag beim Bildungswerk gewonnen werden: http://www.suedkurier.de/region/linzgau-zollern-alb/messkirch/Aramaeer-berichtet-in-Pfullendorf-ueber-seine-Flucht-aus-der-Tuerkei;art372566,8224662

Die Geschichte der christlichen Aramäer
Der Stammvater der Aramäer war Noah (2900 v.Chr), dessen Nachfahre war Sem (2500 v.Chr) und dessen Nachfahre wiederum war Aram (2300 v.Chr). Das Aramäische Reich bestand in Mesopotamien fast 1600 Jahre lang, bevor es von den kriegerischen Assyrern zerschlagen wurde. Die aramäische Sprache überdauerte von Palästina über die Ost-Türkei bis Mesopotamien jedoch, und löste das assyrische Alphabet (Keilschrift) ab.
Die Christianisierung der Aramäer fand bereits zu Lebzeiten der Apostel statt, in einer Zeit, in der auch die Evangelien niedergeschrieben wurden. Die Umgangssprache der ersten Christen und Jesu selbst war aramäisch.
451 n.Chr. (Konzil von Chalcedon) kam es zur Abspaltung der altorientalischen Kirchen (Ägypten, Syrien, Palästina). Später gab es weitere Kirchenspaltungen: Ost- / Westkirche (867), Römische / Griechische Kirche (1054), während der Islam in ganz Nahost die christlichen Kirchen (Aramäer, Armenier, Assyrer) verdrängte als auch in Richtung Europa bis zur Belagerung Wiens (1683) expandierte.
Bürger zweiter Klasse im Osmanischen Reich
Nichtmuslimische Monotheisten (Christen und Juden) wurden im Osmanischen Reich als Schutzbefohlene („Dhimmi“ ) mit stark eingeschränkten Rechten betrachtet: 1. Sie mussten Kopfsteuer (Jizija) zahlen, wovon Korangläubige befreit waren, gemäß der Koranvorschrift: „Bekämpft die Schriftbesitzer, bis sie Tribut entrichten“ 2. Diese „diversen Religionsgemeinschaften lebten als „Raja“ (Herde des Sultans), meist in gesonderten Dörfern 3. Sie mussten sich durch spezielle Kleidung als Ungläubige „Gawur“ kenntlich machen 4. Vor Gericht galt das Zeugnis eines „Dhimmi“nur die Hälfte einer Aussage eines Mohammedaners. Dazu kam eine Reihe anderer, kleinlicher Demütigungen, von der der militärische Berater des Sultans, der Preußengeneral Moltke 1838 schrieb : „…mein Tatar (Pfadfinder) richtete es immer so ein, dass er Pferde und Frühstück in einem Gawur-köy oder christlichen Dorf forderte, denn dort ist er als Moslem Herr von dem Augenblick seiner Ankunft, bis der Hufschlag seines Pferdes verhallt ….“
Vernichtung Christlicher Gemeinden in der modernen Türkei
Ende des 19.Jh zerfiel das Osmanische Reich und wurde in Einflusszonen der europäischen Kolonialmächte aufgeteilt. In einem Teilgebiet entstand die moderne Türkei mit Christenverfolgungen wie Erschießungen und dem Todesmarsch der Armenier, Aramäer und Assyrer in die Syrische Wüste (1915-1917). Die in der Türkei verbliebenen Christen durften ihre Namen und ihre Sprache nicht benutzen, verloren also bis auf die Kirche, ihre Identität. Viele von Ihnen verließen deshalb ihre türkische Heimat und fanden zum Teil in Europa und zum Teil in Syrien unter dem Assad-Regime eine religionstolerante Bleibe. Nun leiden sie wieder: die Islamisten wie Al-Nusra -Al-Quaida, Ahrar al-Scham bis hin zum IS haben sich die Vernichtung des Christentums auf die Fahnen geschrieben. Am 8.10.2015 riefen 53 saudi-arabische Gelehrte zum Heiligen Krieg gegen Russland auf, da Saudi-Arabien und die Türkei in den Luftschlägen Russlands gegen IS und Al-Nusra einen christlichen Kreuzzug sehen. Erzbischof von Aleppo, Jean-Clément Jeanbart am 24.1.2015 in Palermo: „Es gibt ein Komplott, um den Nahen Osten von Christen zu säubern, denn die einzige Stimme, die bis in den Westen dringt, sind die Klagerufe der Christen“.