Pfarrer Meckler und andere mutige Priester unserer Heimat

Vom 2.3.2018 bis zum 24.3.2018 fand im Herz-Jesu-Heim eine Ausstellung zum Widerstand von Priestern gegen die Nazis statt. Nach einer Kurzeinführung von Dr. Waldemar Gorzawski hielt der Historiker Helmut Weißhaupt aus Meßkirch ein Referat über die Meßkircher Priester, die dem Hitler-Regime widerstanden. In herausragender Weise wurde hier der Gemeindepfarrer, Otto Meckler genannt, der von Anfang an in Opposition zum NS-Regime stand. Schließlich wurde er mit einem Schulverbot belegt, setzte aber seinerzeit den Religionsunterricht im Herz-Jesu-Heim fort, denn er konnte sich der Unterstützung eines Großteils seiner Gemeinde sicher sein. Er wurde mehrfach verhaftet und in Schutzhaft genommen. In den Zeiten seiner Festnahmen und Verhöre wurden als Zeichen der Solidarität keine Kirchenglocken geläutet. Kurz nach seiner letzten Verhaftung ist er 1944 verstorben. Eine riesige Menschenmenge nahm an seinem Begräbnis trotz Sirenengeheuls (Warnungen vor Luftangriffen und Aufforderungen, sich zu zerstreuen) teil. Ein Großteil der Meßkircher Bevölkerung zeigte damit in der finstersten Zeit des 3. Reichs auf welcher Seite sie stand. Meckler hatte für die Bevölkerung und seine Vikare Vorbildfunktion. So hat z.B. Dr. Karl Kimmig, der von 1937 bis 1942 Vikar in Meßkirch war, Pfarrer Meckler während dessen Haftzeiten vertreten und nach dessen Schulverbot den Religionsunterricht im Schulgebäude abgehalten. Schließlich erhielt auch er Verbot, den Religionsunterricht in der Schule abzuhalten, wurde nach Mannheim versetzt, mehrfach verhaftet und wurde schließlich zu KZ-Haft verurteilt. Ein anderer Meßkircher Vikar, Eugen Weiler, wurde nach Singen versetzt und übernahm dann die kleine Kirchengemeinde Wiechs am Randen an der Schweizer Grenze. Dort half er auf Initiative des Singener Gemeindepfarrers, August Ruf einer Jüdin über die Grenze zu kommen und wurde daraufhin zu KZ-Haft verurteilt. Er saß im KZ-Dachau ein, dokumentierte dort die Schicksale von mehr als 2500 Insassen des "Priester-Blocks" und wurde 2006 in Yad Vashem geehrt.

 

 

Meckler, Otto
* 19.09.1892 in Rohrbach am Gießhübel / Eppingen
† 17.08.1944 in Konstanz
in Meßkirch:
06.12.1927 – 08.06.1929 als Kaplanei- und Pfarrverweser
09.06.1929 – 17.08.1944 als Stadtpfarrer
 
 
Lebensdaten
17.06.1917   Ordination anschließend Vikar in Waldkirch bei Waldshut, Rickenbach, Bleichheim, Urloffen, Windschläg und Waibstadt
06.12.1927   in Meßkirch
30.07.1941 – 20.08.1941 Schutzhaft im Gefängnis Überlingen
1942             Ernennung zum Geistlichen Rat
30.07.1943   Ernennung zum Dekan des Kapitels Meßkirch
02.07.1944   nach Herzanfall Einlieferung ins Sanatorium in Konstanz, dort gestorben
Konflikt mit dem NS-Regime in Meßkirch
  1. Am 1. Juli 1935 erstmalige Konfrontation (etliche weitere folgen) mit Oberlehrer Paul Mauch. Otto Meckler widerspricht Mauchs Aussagen aus dessen Geschichtsunterricht. Meckler erklärt den Schülern, dass vieles unrichtig sei, was die Nationalsozialisten über die Germanen sagen würden. Mauch meldet dies nach Karlsruhe: „Ein solches Verhalten eines Geistlichen muss auf das Schärfste verurteilt werden“. Es folgt die Androhung des Schulverbots.
  2. Meckler soll im Oktober 1935 schriftlich erklären, dass er künftig alle Vorschriften der Schulordnung, insbesondere die zum „Deutschen Gruß“, genauestens befolgt. Erneute Androhung von Schulverbot.
  3. Anzeige gegen den Stadtpfarrer, weil in Oberbichtlingen am 9.11.1935 (Jahrestag des Hitlerputsches von 1923) die Kirche nicht beflaggt ist. Verfahren wird eingestellt.
  4. Otto Meckler hält sich weiterhin nicht an die Vorschrift des „Deutschen Grußes“. Er wird „zum letzten Male nachdrücklich verwarnt.“ (28.11.35)
  5. Am Sonntag, 10.1.1937, hält Meckler eine Predigt, die „nichts anderes war als eine Aufpeitschung der Bevölkerung gegen die Schule“. „Infolge der Hetze des Geistlichen“ wird vom Kultusministerium Mecklers Versetzung gefordert. Diese erfolgt allerdings nicht.
  6. Weil er seine Schüler aber in der Vergangenheit anstelle des Hitlergrußes zum christlichen Gruß erzog, wird ihm am 11.10.37 nun endgültig Schulverbot erteilt.
  7. Meckler schreibt am 19.12.38 an Mauch: „Wie viel Schaden richten Sie an urteilsunfähigen Kinderseelen an! Und doch werden auch Sie einmal vor Christus stehen!“
  8. Der Stadtpfarrer verstößt im August 1939 gegen das Reichsflaggengesetz. Er hisst auch an nichtkirchlichen Gebäuden die Kirchenflagge. Es erfolgt keine Bestrafung.
  9. Die Meßkircher Polizei meldet im Dezember 1939, dass Otto Meckler, trotz Verbots, nachts die Kirchenglocken läuten lässt.
  10. Meckler hält am Himmelfahrtstag 1941 trotz Verbots ein Amt ab. Daraufhin wird er am 30.7.1941 verhaftet und bis zum 20.8.1941 in Schutzhaft genommen. Außerdem muss er 350 RM Strafe bezahlen.
  11. Am 14.4.1942 erfolgt ein 2½-stündiges Verhör auf der Gendarmerie in Meßkirch durch Beamte der Gestapo Konstanz wegen „staatsabträglichen Äußerungen“ im Jugendweiheunterricht. Meckler erklärt: „Man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen“.
Läufer, Gebhard
* 14.08.1899 in Niederwasser/Ortenaukreis
† 20.06.1973 in Siegelau/Breisgau
in Meßkirch:
13.06.1935 – 21.10.1936
als Kaplaneiverweser/Benefiziat
Lebensdaten
05.04.1925      Ordination anschließend Vikar in Löffingen, Glottertal und Kappelrodeck
13.06.1935      Kaplaneiverweser in Meßkirch
22.10.1936      Pfarrer in Hausen vor Wald
19.06.1960      Pfarrer in Siegelau
 
Konflikt mit dem NS-Regime in Meßkirch Gebhard Läufer verweigert im September 1935 den „Deutschen Gruß“ (Hitlergruß) im Religionsunterricht 27.09.1935      Schreiben des Schulamts Meßkirch: „Der Benefiziat Läufer ist lt. Schreiben des Herrn Ministers durch das Schulamt Meßkirch ausdrücklich aufmerksam zu machen, dass er als Religionslehrer innerhalb und außerhalb der Schule den Schülern den Deutschen Gruß zu erwidern hat.[…]Lehrer und Schüler erweisen einander innerhalb und außerhalb der Schule den Deutschen Gruß (Hitlergruß).Der Lehrer tritt zu Beginn jeder Unterrichtstunde vor die stehende Klasse, grüßt als erster durch Erheben des rechten Armes und durch die Worte ‚Heil Hitler‘ […] Der Lehrer beendet die Stunde, nachdem sich die Schüler erhoben haben, durch Erheben des rechten Armes und die Worte ‚Heil Hitler‘. Die Schüler antworten in gleicher Weise.Wo bisher der kath. Religionsunterricht mit dem Wechselspruch ‚Gelobt sei Jesus Christus‘ – ‚In Ewigkeit Amen‘ begonnen und beendet wurde, ist der Deutsche Gruß zu Beginn der Stunde v o r, am Ende der Stunde n a c h dem Wechselspruch zu erweisen.“
 
 
Vogelbacher, August
* 27.10.1910   in Obermettingen / Kreis Waldshut
† 28.09.1992   in Immendingen-Hattingen
in Meßkirch: 29.08.1936 – 30.12.1937 als Vikar
Lebensdaten
22.03.1936      Ordination anschließend Vikar in Reichenau-Mittelzell
29.08.1936      Vikar in Meßkirch
01.12.1937      Vikar in Hechingen
04.09.1940      Vikar in Mannheim, Herz-Jesu und St. Peter
25.08.1941 –   Kriegsende: Wehrdienst
03.07.1945      Pfarrverweser in Unteralpfen
27.04.1949      Pfarrer in Wyhlen
15.04.1953      Pfarrer in Hüfingen
30.08.1972      Pfarrer in Obersimonswald
01.09.1983      pensioniert; Subsidiar in Immendingen-Hattingen
Konflikt mit dem NS-Regime in Meßkirch
Nach dem Religionsunterricht am 15.04.1937 in der Untertertia an der Realschule Meßkirch wird August Vogelbacher beim Ministerium angezeigt. Oberlehrer Mauch und Fortbildungslehrer Eiermann, beides Väter von Kindern dieser Klasse, bezichtigen den Vikar „in offensichtlich böswilliger Absicht den Reichsleiter Rosenberg und den inneren Frieden unseres Volkes angegriffen“ zu haben. (Alfred Rosenberg verfasste 1930 als führender Ideologe der NSDAP das rassistische und antisemitische Buch „Der Mythos des 20. Jahrhunderts“.) Vikar Vogelbacher soll u.a. gesagt haben, dass „auch ein Untertertianer merken müsse, dass das falsch sei, was Rosenberg sagt.“ Dieser habe „in seinem ‚Mythos des 20. Jahrhunderts‘ Sachen durcheinander geworfen, wie sie bei Schülern nicht vorkommen dürfen.“ Nach Ansicht von Mauch und Eiermann habe Vogelbacher den Reichsleiter Rosenberg als dumm hingestellt und ihn somit beleidigt. Am 24.07.1937 wird August Vogelbacher die Unterrichtserlaubnis in Baden entzogen.Oberlehrer Mauch lässt Vogelbacher auch außerhalb der Schule überwachen. Auf diese Weise bringt er in Erfahrung, dass der Vikar in den Osterferien 1937 in seiner Heimatgemeinde gepredigt hat und dabei gegen die Volksschule Meßkirch „gehetzt“ haben soll.
Konflikt mit dem NS-Regime nach seiner Zeit in Meßkirch
Als August Vogelbacher nach drei Jahren in Hechingen wieder nach Baden kommt, bleibt das Schulverbot bestehen. Als Vikar in Mannheim wird er weiter überwacht und muss bis Kriegsende als Sanitäter, vor allem an der Ostfront, seinen Wehrdienst verrichten.

 

Weiler, Eugen
* 27.05.1900 in Lichtental (Baden-Baden)
† 04.08.1992 in Wiechs am Randen
in Meßkirch:
20.10.1936 – 22.09.1937 als Kaplaneiverweser
Lebensdaten
19.03.1926      Ordination
anschließend Vikar in Tiengen, Singen, Freiburg-Haslach, Mannheim-Friedrichsfeld und Rheinfelden
20.10.1936      Kaplaneiverweser in Meßkirch
23.09.1937      Pfarrverweser und Pfarrer in Wiechs am Randen
01.06.1942      Verhaftung und Überführung ins KZ Dachau. Er half einer Jüdin, in die Schweiz zu flüchten.
1971    Herausgeber des Buchs „Die Geistlichen in Dachau sowie in anderen Konzentrationslagern und Gefängnissen“
13.08.1973      Bundesverdienstkreuz
15.12.1988      Ruhestand
24.07.2006      posthum Verleihung des Ehrentitels „Gerechter unter den Völkern“ der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem
Konflikt mit dem NS-Regime in Meßkirch
Eugen Weiler bezeichnet am 28.1.1937 einen Schüler der Realschule als „frechen Kerl“ und züchtigt diesen mit drei Ohrfeigen, weil der Schüler ihn mit „Heil Hitler“ grüßte. Es erfolgt eine Meldung an das Ministerium. In der Volksschule werden Anfang 1937 die im Religionsunterricht nicht gestatteten „Katechismuswahrheiten“ (1936 erschienene katholische Schrift zur Widerlegung der Weltanschauung des Nationalsozialismus) eingesammelt. Weiler spricht daraufhin in einer Realschulklasse über den verantwortlichen Oberlehrer Mauch als „öffentlichen Sünder“. Vom Schulamt wird im März 1937 beanstandet, dass Eugen Weiler zu Beginn des Unterrichts nicht den „Deutschen Gruß“ erweist. Weiler wird vorgeworfen, dass er im Unterricht vom 16.2.1937 die Ehefrau des Ortgruppenleiters Ramsperger verleumdet habe. Beim Thema der heiligen Ölung zielt Weiler auf den Vernunftgebrauch ab und sagt, dass „Verrückte die letzte Ölung nicht bekommen würden“, da sie nicht wüssten, was sie tun. Dabei erwähnt er, dass eine Frau Ramsperger „auf die Reichenau gekommen sei.“ Eugen Weiler muss öffentlich Widerruf leisten und 50 RM Strafe bezahlen. Er wird streng zur Rechenschaft gezogen und bekommt Schulverbot angedroht. Außerdem soll er umgehend versetzt werden.
Konflikt mit dem NS-Regime nach seiner Zeit in Meßkirch
Eugen Weiler ist bereits vor seiner Zeit in Meßkirch unter Beobachtung der Nationalsozialisten. Schon in Mannheim-Friedrichsfeld spricht er in seinen Predigten über die Hirtenbriefe des Bischofs von Münster, Clemens von Galen. Die Versetzung nach Rheinfelden schützt ihn vor dem Zugriff der Mannheimer NSDAP. In Rheinfelden wissen die Verantwortlichen bereits bei seiner Ankunft von seiner Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Als Pfarrer in Wiechs grüßt er weiterhin nicht mit dem „Deutschen Gruß“, sondern lediglich mit einer Hutbewegung. Daraufhin wird ihm Schulverbot erteilt. Am 1.6.1942 wird Eugen Weiler verhaftet, weil er zuvor einer Jüdin zur Flucht in die Schweiz verhalf. Er wird zu Gefängnis und Schutzhaft verurteilt. Anschließend, am 5.10.42, erfolgt seine Einlieferung in das KZ Dachau. Erst am 11.4.1945 wird er von dort entlassen.
Zur Biographie von Pfarrer Weiler siehe die Stolpersteine:http://www.stolpersteine-singen.de/biografien/
 
Dallinger, Adam
* 22.08.1906 in Großsachsen/Bergstraße
† 07.08.1996 in Staufen
in Meßkirch:
03.05.1939–28.04.1942 Kaplaneiverweser/Benefiziat
Lebensdaten
15.03.1931      Ordination anschließend Vikar in Urloffen und Offenburg (Dreifaltigkeit), Hausgeistlicher in Horben (Luisenhöhe) und Präfekt in Sasbach (Lendersche Anstalt)
03.05.1939      Kaplaneiverweser in Meßkirch
29.04.1942      Pfarrer in Ballrechten
01.08.1979      Ruhestand in Merzhausen, hier Subsidiar
1979 in Ballrechten-Dottingen zum Ehrenbürger ernannt. In der Gemeinde gibt es auch eine nach ihm benannte Adam-Dallinger-Straße.
Konflikt mit dem NS-Regime in Meßkirch
Adam Dallinger hält am 22.05.1941 in der katholischen Kirche in Wasser bei Meßkirch zur Feier des Himmelfahrtstages einen Gottesdienst ab. Damit handelt er den Bestimmungen der Verordnung über den Himmelfahrts- und Fronleichnamstag 1941 zuwider. Adam Dallinger wird deswegen vom Amtsgericht Meßkirch am 15.05.1942 zu einer Geldstrafe von 100 RM verurteilt.
Konflikt mit dem NS-Regime nach seiner Zeit in Meßkirch
In seinem Pfarrbezirk Ballrechten wird er wegen Predigtäußerungen angezeigt. Dadurch erfolgt ein Verhör durch die Gestapo Lörrach.

 

Kimmig, Karl, Dr.
* 02.05.1910 in Bad Griesbach
† 14.09.1988 in Freiburg
in Meßkirch:
01.12.1937 – 20.10.1942 als Vikar
Lebensdaten
07.03.1937      Ordination anschließend Vikar in Jöhlingen
01.12.1937      Vikar in Meßkirch; ab April 1940 Pfarrvikar als Vertretung von Stadtpfarrer Meckler während dessen Verhaftungen und weil dieser mit Schulverbot belegt ist.
22.10.1942      Pfarrvikar in Mannheim (Pfarrei St. Sebastian)
08.02.1943      von Gestapo verhaftet und sogenannte Schutzhaft, Zu KZ-Haft verurteilt
23.02.1943 –  Kriegsende: dienstverpflichtet beim Chemotherapeutischen Institut in Kiel und Leipzig
24.07.1945      Vikar in Mannheim (Pfarrei St. Sebastian)
01.05.1946      nach Vorbehalten des Erzbischofs, Dr. Gröber doch noch Erlaubnis zur Ernennung zum Spiritual in Meitingen (Begrenzung auf ein Jahr). Damit trat er die Nachfolge für den ermordeten Spiritual, Dr. Max Josef Metzger an.
01.09.1947      Spiritual im Kloster Erlenbad
1948    Promotion zum Dr. theol.
01.09.1952      Religionslehrer in Freiburg - anfangs an der Gewerbeschule II und dann bis zum Ruhestand Gymnasialprofessor im Goethe-Gymnasium. Gottesdienste in der Adelhauser Kirche. Parallel dazu: Seelsorge in der Kartause
31.08.1972      Ruhestand in Freiburg; Seelsorge in verschiedenen Altenheimen
Konflikt mit dem NS-Regime in Meßkirch
Das Schulamt Meßkirch droht Karl Kimmig am 22.07.1938 mit Schulverbot, weil er im Religionsunterricht das katholische Liederbuch „Singsang“ verwendet.
Konflikt mit dem NS-Regime nach seiner Zeit in Meßkirch

Bald nach dem Wechsel als Pfarrvikar nach Mannheim wird Karl Kimmig noch 1942 von der Gestapo Mannheim verhört. Durch die Predigtäußerung „Beim letzten Gericht wirst Du erkennen, dass Du auch in heutiger Zeit für Deinen Glauben eintreten musst, selbst wenn Du im KZ wärst oder Dich die blaue Kugel treffen würde“ kommt Karl Kimmig vom 08.02.1943–23.02.1943 in Schutzhaft. Nach seiner Entlassung wird ihm verboten, seelsorgerisch tätig zu sein, und er muss 2.000 RM „Sicherheitsgeld“ bezahlen. Außerdem wird Kimmig zu KZ-Haft in Dachau verurteilt. Diese Haft muss er allerdings dank des Einsatzes seines Bruders nicht antreten. Stattdessen wird er als „Mädchen für alles“ z.T. für chemisch und strahlungsbelastete Arbeiten an das Chemotherapeutische Institut in Kiel, später Leipzig, verpflichtet. Dort leitet sein Bruder als Mediziner eine Abteilung. Seine Entlassung erfolgt erst durch das Kriegsende.

 

AUF DEN SPUREN DER SCHLACHT BEI MESSKIRCH

Leitung: Dr. Werner Fischer, Historiker.
Bei Meßkirch fand bekanntlich am 5.5.1800 eine entscheidende Schlacht zwischen den Napoleonischen Truppen unter General Moreau und dem österreichischen Heer unter Baron von Kray statt. Es war einer der blutigsten Zusammenstöße im Zweiten Koalitionskrieg und siegreich für die Franzosen, die damit die Österreicher zur Räumung Südwestdeutschlands zwangen. Meßkirch wurde also zur Wegmarke im Untergang der „Alten Ordnung“ und der Name ist im Pariser Arc de Triomphe verewigt. Doch wer kennt das Ausmaß der Truppenaufstellungen und -bewegungen? Wir sahen einleitend im Haus der Musik viele erklärende Karten und Bilder und brachen dann unter Leitung von Dr. Fischer per PKW zu den 5 Punkten auf, wo die entscheidenden Gefechte stattfanden. Das umfasste ein Gebiet von 80 Quadratkilometern (Menningen-Rohrdorf-Heudorf-Thalheim-Bietingen-Krumbach-Meßkirch).

ERSTER WELTKRIEG: TAGEBUCH EINES MESSKIRCHERS

Die Abende begannen am 10.11.2016 im Haus der Musik unter Leitung von Dr. Werner Fischer.
„Aus den Kriegstagebüchern des Meßkircher Steinbildhauers Fritz Enzenroß 1914 bis 1918“. Teil I umfasste die Jahre 1914/15, Teil II das Jahr 1916 und Teil III die Zeit von Januar bis Dezember 1917.
Enzenroß berichtet von seiner Einberufung als Wehrmann im August 1914, seiner anfänglichen Begeisterung für den Krieg, seinen ersten Arbeitseinsätzen in Frankreich, seinen ersten brutalen Erfahrungen mit Trommelfeuer, pausenlosen französischen Angriffen, gefallenen Kameraden, Schlamm und Kälte im Graben, seiner wachsenden Ernüchterung, seiner Enttäuschung über arrogante, sadistische und unfähige Vorgesetzte usw. Daneben schreibt er über Sitten, Land und Leute. Im letzten Teil erfuhren wir von seinen Erlebnissen in Galizien und hatten etwas Zeit, um über aktuelle Kriegsgefahren und die Rolle Europas zu diskutieren.

Fritz-Stärk-Abend mit Mitgliedern seiner Familie

Veranstaltung vom 27.10.2015 im Haus der Musik, Kontakt: Dr. Waldemar Gorzawski
Vor 100 Jahren – Fritz Stärk verlässt Meßkirch: 1913 wanderte der 22-jährige Meßkircher Fritz Stärk aus, um in Amerika sein Glück zu suchen. Als er 1961 nach Deutschland zurückkehrte, war er einer der erfolgreichsten amerikanischen Komponisten für Filmmusik und eine internationale Berühmtheit. Fritz Stärk, ein Ur-Ur-Großneffe von Conradin Kreutzer, wurde am 16. November 1891 in Meßkirch geboren; sein Vater Ernst Stärk war Brauereibesitzer. In Meßkirch lernte der Junge Geige spielen; alte Photographien im Heimatmuseum zeigen ihn bei kleinen Aufführungen. Aber die Kleinstadt wurde ihm bald zu eng. In den USA verdiente er wie alle Einwanderer in den verschiedensten Berufen seinen Lebensunterhalt. Als überall Vorführsäle für das neue Medium Film gebaut wurden, gründete er ein kleines Orchester, das in großen Kinos die Begleitmusik zu Stummfilmen spielte. Als der Tonfilm aufkam, sah der junge Musiker die Chance seines Lebens: „Frederic Stark“ wurde einer der ersten Filmkomponisten in Amerika. Er spielte seine Filmmusiken auch unabhängig vom Film mit dem Orchester in Konzerten, ein Brauch, der sich bis heute gehalten hat. Allmählich breitete sich sein Ruhm aus: von 1929-38 war er Kapellmeister bei „Don Lee Radio“ in Los Angeles und von 1938-61 Musikdirektor der weltbekannten Walt-Disney-Filmstudios in Hollywood. Die Musik der meisten Filme von Walt Disney sind von ihm zusammengestellt oder komponiert und dirigiert worden. In der Hollywood-Bowl, einer riesigen Veranstaltungsarena, dirigierte er dazu noch Konzerte vor über 15000 Zuhörern. Am bekanntesten wurde die Begleitmusik zu den Walt-Disney-Filmen „Fantasia“ und „Grand Canyon“ (für die Musik zu diesem Film erhielt Stärk sogar einen „Oscar“). Sein letztes Werk war der Beethoven-Film „The Magnificent Rebel“; Walt Disney scheute keine Kosten, und so hatte Fritz Stärk Gelegenheit, die besten europäischen Orchester zu dirigieren (Wien, Berlin, Prag, Paris, Rom). Als 70-Jähriger kehrte Fritz Stärk zurück und lebte in Freiburg bei seiner Schwester. Am 12. Dezember 1964 dirigierte er noch in seiner Heimatstadt Meßkirch das Konstanzer Bodensee-Symphonieorchester in einem Konzert. An seinem 79. Geburtstag, am 16. November 1969, starb Fritz Stärk alias Frederic Stark in Freiburg. Die Urne wurde im Grab seiner Eltern im „Millionenviertel“ des Meßkircher Friedhofs beigesetzt. Eine schlichte Platte auf dem Grab und seit November 1983 sein Bild in der Heimatstube des „Löwen“ erinnern an einen der Meßkircher Genies. Dr. Werner Fischer

Den Hauptartikel zu diesem Thema sehen Sie auf der Internetseite der Akademie Alb-Bodensee: www.akademie-bodensee.org

MESSKIRCHER KLIMAGIPFEL

Der Vortrag von Prof. Stefan Rahmstorf, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung fand am 14.9.2015 im Schloss Meßkirch statt.

Klimaschutz ist kein Thema für Experten, sondern für alle, die dieses Thema ernst nehmen. Weil wir Menschen sind, die gerne auf dieser Erde leben und auch dafür Sorge tragen möchten, dass nachfolgende Generationen ebenfalls gut hier leben können. Solarcomplex Singen veranstaltete zusammen mit der Stadt Meßkirch den ersten Meßkircher Klimagipfel. Klar war, dass dadurch nicht die Welt gerettet wird. Es sollte vielmehr ein Beitrag zur Wissensbildung zu diesem Thema sein und unser Bewusstsein für die Konsequenzen eigenen Handelns schärfen. Weil es nicht stimmt, dass unsere kleinen Beiträge am großen Problem nichts ändern können...