Meßkirch-Krippe von Robert Rauch 1952

Nach dem Krieg sammelte die Gemeinde Geld, um mit der Schaffung einer Krippe - extra für Meßkirch - ein Zeichen des Neubeginns zu setzen. Diese wird jetzt alle 5 Jahre aufgebaut und Andrea Braun-Henle sucht alle Fakten und Geschichten zusammen und wird diese in den Heimatheften veröffentlichen. Doch bis es so weit ist, hier ihr Artikel:

„Er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein“ - Die Krippe von Robert Rauch in St. Martin, Meßkirch

Sie ist monumental, die Krippe, die der Mimmenhausener Künstler Robert Rauch (1902-1975) Anfang der 50er-Jahre passend für den Seitenaltar von St. Martin geschaffen hat. Rauch hat in der Region ein vielfältiges Werk hinterlassen, das von der Ausgestaltung von Kirchen, wie der Zizenhausener Kirche, über Glasbilder, Familienwappen und Sgraffiti reicht.
1952 wurde die Krippe erstmals aufgestellt. Der damalige Pfarrer und Dekan von Meßkirch Max Bertrud hatte sie in Auftrag gegeben, nachdem in einer Spendenaktion unter der Bevölkerung das dafür nötige Geld zusammengekommen war. Auch wenn bisher nicht geklärt werden konnte, was sie gekostet hat: Das Inventarverzeichnis des Pfarrarchivs bewertet sie 1961 mit 1500 Mark, was damals eine Menge Geld war. Vier Meter hoch zieht sich der Krippenaufbau bis zur Kanzel des linken Seitenaltars hinauf. Überragt wird die eigentliche Krippendarstellung von felsigen Gebilden und der Herodesburg, über die die Engel vom Himmel herunterschweben: Gloria in excelsis deo – Ehre sei Gott in der Höhe. Zwischen den fast schon herrschaftlichen Säulen des Stalls, die schon auf die besondere Natur des Neugeborenen verweisen, liegt das Kind, wie es das Weihnachtslied sagt: „nackt und bloß“ in einem Futtertrog. Maria, so meint man, schützt das Kind mit ausgebreiteten Armen vor den Bedrohungen der Welt, auch Josefs segnende Handhaltung hat etwas Bewahrendes. So entsteht in der Situation des elenden Stalles, der ja nicht gerade das ist, was man dem Sohn Gottes als Einstieg in diese Welt gewünscht hätte, doch eine Atmosphäre der Geborgenheit. Links neben ihnen steht, hoch aufgerichtet mit einladender Geste, der erste Engel, der den Erdboden erreicht hat. Er verkündet den Hirten, die in Gruppen angeordnet auf der untersten Ebene der Krippe sitzen, die Weihnachtsbotschaft. Am Dreikönigstag werden sie durch die Weisen ersetzt, die mit zahlreichem Gefolge erscheinen, um den neugeborenen König zu ehren. Die Figuren sind individuell mit Hilfe ganz unterschiedlicher Materialien gestaltet. Kleine Figuren sind vollständig geschnitzt, die großen enthalten geschnitzte Teile, die durch eine Unterkonstruktion zusammengefügt sind. Modellierte Teile, und damit vermutlich die Substanz der Figuren, soweit dies sichtbar ist, bestehen aus einer Masse, deren Hauptbestandteil Holzfasern sind. Für die Kleidung wurden Textilien wahrscheinlich in Knochenleim getränkt und dann auf der Figur angebracht. Alle Figuren sind farbig gefasst. Viele wurden durch separat angebrachte Kleinteile ergänzt, wie Krüge, Musikinstrumente und anderes. Leider liegen hierzu keine genaueren Informationen vor. 19 Großfiguren bis zu einer Höhe von 70 cm gehören zum Ensemble der Krippe, die in diesem Jahr zum ersten Mal nach fünf Jahre wieder, bedingt durch die Erkrankung des Mesners, mithilfe des Engagements von Ehrenamtlichen der Pfarrgemeinde aufgebaut wird. Sie lädt uns ein einen Blick auf unsere persönliche Situation und die Situation in unserem Land zu werfen, gerade weil sie die Botschaft vom Gottessohn erzählt, der eben nicht in die Geborgenheit einer gesicherten Existenz, sondern heimat- und mittellos in einen Stall zu den Menschen am Rande der Gesellschaft gekommen ist. Nicht eine fromme Andachtsszene wird gezeigt, sondern der Beginn einer Geschichte, deren nächste Station die Flucht der Familie bei Nacht und Nebel vor Terror und Lebensgefahr in ein fremdes Land ist.
Eine kleine Einführung (ca. 15 Minuten) zur Rauchkrippe findet nach dem Gottesdienst an Dreikönig statt. Andrea Braun-Henle

The art is present

unter diesem Titel wurde am 22. November 2015 in der Kreisgalerie Schloss Meßkirch eine Ausstellung mit Installationen, Zeichnungen und Filmen von Regina Frank eröffnet. Die in Meßkirch geborene und aufgewachsene Künstlerin, die mit Ausstellungen und Soloperformances in großen Museen der USA, von China, Japan und Europa zu Gast war, ist mit ihrem in mehr als 25 Jahren gewachsenen Werk erstmals im Rahmen einer Einzelausstellung in ihrer Heimatstadt zu sehen. Bei der Vernissage führte nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Arne Zwick der aus Meßkirch stammende und am Ulmer Museum tätige Kunsthistoriker Dr. Martin Mäntele in die Ausstellung ein. Regina Frank wurde bei der Ausstellungseröffnung mit einer Performance aktiv. Die Ausstellung ist in der Folge bis 31. Januar 2016 jeweils freitags bis sonntags sowie feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Im Begleitprogramm werden am Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr, eine Sonderführung mit Dr. Martin Mäntele und am Sonntag, 31. Januar 2015, 15 Uhr, eine weitere Performance mit Regina Frank angeboten. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der für 10 Euro in der Kreisgalerie erhältlich ist.In New York saß Regina Frank 1992 im Schaufenster des am Broadway gelegenen New Museum of Contemporary Art – in Tokyo und Guangzhou befand sie sich mitten unter den Besuchern. Sie ist immer wieder präsent in ihrer Kunst, lebend oder als Skulptur, und nutzt ihren Körper sowie die unterschiedlichsten Materialien und Medien für ihre Arbeit. Die Künstlerin bevorzugt die Performance, deren wesentliches Merkmal im Agieren vor Publikum besteht. Neben drei großen, weltgereisten Installationen ist in der Meßkircher Ausstellung zum ersten Mal eine umfangreiche Auswahl ihrer Zeichnungen und Filme zu sehen. In der Installation "Hermes' Mistress” stickte Frank sieben Jahre lang “Datenperlen”, 26000 Perlen mit eingravierten Buchstaben, auf ein leuchtend rotes Seidenkleid. Die Inhalte suchte sie während der Performance mit einem Laptop aus dem Internet zusammen. Eine originelle Art der Informationsverarbeitung, die belegt, wie früh Regina Frank erkannt hat, welche Bedeutung das Internet und die immer weiter anwachsende Datenflut für die Menschen des 21. Jahrhunderts haben würden. Franks Themen sind global umfassend. So auch das seit 2011 entstandene "iLand".
Das Kleid zeigt viele von Umweltproblemen geplagte Zonen unseres Erdballs von oben in direkter Nachbarschaft. Es sind Probleme, die jeden angehen, so wie die eigene Kleidung jeden berührt. Das Werk von Regina Frank zeichnet sich durch eine eigenständige Annäherung an zeitgenössische Themen aus. Es verknüpft handwerkliche Techniken mit digitalen Möglichkeiten und schlägt so eine multimediale und transkulturelle Brücke zwischen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit Stipendien, Ausstellungen und Lehraufträgen in Asien, Europa und den USA trug sie buchstäblich ihre Datenkleider und damit ihre Themen in die Museen der Metropolen.

Der erste Eindruck - vor der Ausstellungseröffnung:

Die Vernissage am 22.11.2015:

LICHTMALEREI GERHARD LANGENFELD

Lichtmalerei und Raumerkundung - Gerhard Langenfeld in der Kreisgalerie, Kuratorin: Dr. Cora von Pape

Zum 60. Geburtstag von G. Langenfeld zeigt die Kreisgalerie Schloss Meßkirch vom 13. 9. bis zum 8.11.2015 eine umfassende Einzelausstellung mit Arbeiten dieses aus Bad Saulgau stammenden innovativen Malers aus den vergangenen 20 Schaffensjahren. In seinem insistierenden, vielfach  experimentellen Werk lotet der Künstler die Möglichkeiten und Grenzen der Malerei aus, die er mit raumbezogenen Installationen, industriellen Verfahren und neuerdings dem Medium der Fotografie scheinbar in  den Raum  und die dritte Dimension erweitert. In der Kreisgalerie sind verschiedene ganz neue, explizit für Meßkirch geschaffenen Arbeiten zu sehen, darunter beeindruckende Werke der Lichtmalerei, mit der er sogar den Galerieraum selbst zum Bildgegenstand macht.